Achtsamkeit, Burnout, persönliches
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Blogparade: Erschöpfungsdepression und was dann?

Im Mai 2017 hatte ich meinen Zusammenbruch. Seit Februar 2018 arbeite ich wieder. Die Akutphase ist vorbei. Aber bin ich geheilt?

Christian Gremsl ruft auf seinem Blog lebereich zur einer Blogparade rund um das Thema Einmal depressiv – immer depressiv? Können Depressionen geheilt werden? auf.

Dies möchte ich zum Anlass nehmen, mir darüber Gedanken zu machen.

Fühle ich mich gesund?

Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Denn ich fühle mich fit und auch meine Antriebslosigkeit der Akutphase ist verschwunden bzw. auf ein normales Maß zurückgegangen. Ihr kennt das ja, es gibt einfach manche Dinge, die einem schwerer fallen als andere. Das ist nicht per se krankhaft.

Aber so wie vorher ist es nicht?

Auch dies stimmt. Denn ich fühle mich in der Tat nicht mehr so belastbar wie vorher. Ich habe den Eindruck, dass ich meine Grenzen schneller erreiche, als das vor dem Burnout der Fall war.

Damit habe ich anfangs gehadert. Ich kann einfach nicht mehr das leisten, was ich früher geleistet habe. Das fühlt sich nach Versagen an und nach Unfähigkeit. Ich fühlte mich wie ein angeschossenes Reh, verwundet.

Grenzen sehen

Allerdings sehe ich das jetzt eher positiv. Denn offensichtlich habe ich gelernt, meine Grenzen besser wahrzunehmen. Vermutlich bin ich heute genauso belastbar wie vor der Krankheit. Aber heute ignoriere ich meine Grenzen nicht mehr, so wie ich es damals getan habe:

  • Heute melde ich mich tatsächlich krank, wenn ich krank bin und schleppe mich nicht bis zum Wochenende durch.
  • Ich arbeite nicht mehr ohne Pause durch, wenn mein Körper und mein Geist dringend eine Auszeit brauchen.
  • Mein Wohlbefinden ist mir wichtiger geworden als die fertige Arbeit/das frisch gekochte Bio-Essen/die aufgeräumte Wohnung.

Die Angst bleibt

Aber die Angst bleibt, dass ich wieder zusammenbrechen könnte. Dass ich wieder diese lähmende Schwere und Sinnlosigkeit des Lebens spüren könnte, die mir mein Leben in diesen Monaten so wertlos erscheinen ließ.

Aber diese Angst verwandle ich ich in Wachsamkeit. Denn sie sorgt auch dafür, dass ich weiterhin auf mich achte und gut zu mir bin. Damit genau das nicht mehr passiert.

Bin ich also geheilt?

Ich weiß es nicht sicher. Aber ich glaube daran, dass ich gewachsen bin und gelernt habe aus dem Burnout. Und das ist viel wert.

2 Kommentare

  1. Ich denke mir, ich muss auch einfach akzeptieren, dass ich einfach nicht mehr so leistungsfähig wie mit 20 bin. Zum einen, weil ich viel mehr Belastungen als mit 20 habe (Kinder, Haus, Garten, nicht nur den Job wie damals) und dass man die Jahre eben spürt. Jede Schwangerschaft wurde ja auch immer anstrengender, die erste mit 28 war kein Vergleich zu der mit 35. Aber leicht ist das nicht. Doppelsternchen für all die Male wo ich mir sagen kann, dass eben auch nicht jeder gleich belastbar ist und dass man das einfach akzeptieren muss, so schwer es einem auch fällt.

    • Ja, da hast du recht. Wir leben leider in einer sehr leistungsorientierten Welt, wo man eben „funktionieren“ soll. Ich habe für mich akzeptiert, dass das falsch ist, aber nicht alle Menschen um mich herum verstehen das.

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