Achtsamkeit, Allgemein
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Gedanken zu „Was wäre wenn“

Vor dem „Was wäre wenn“ Gedankenkonstruktur ist wahrscheinlich keiner gefeit. Und wenn mal wieder der Wäscheberg auf Alpengröße anwächst, die Kinder-Termine überhand nehmen UND es in der Arbeit brennt. Denkst Du dann manchmal auch: Was wäre, wenn …? Ab und an kommen wir in den Genuss, nein den absoluten Luxus(!), für ein Wochenende – naja für wenigstens 1,5 Tage lang, ohne Kinder zu sein. Denn dann übernehmen hier die Großeltern für ein bis zwei Tage die Kinder. Dann flippen wir zurückbleibenden Erwachsenen kurzzeitig aus: Wir bringen Unmengen an Cola- und Bierflaschen (alkoholfreies Radler, haha!) zurück, kaufen vom Pfandgeld TK-Pizza und Ben&Jerrys …. und dann sitzen wir abends wahlweise an der Arbeit oder vor dem TV.

Partyleben? Vergiss es.

Manchmal quälen wir uns auch ins Auto und gehen Essen. Das ist dann wirklich entspannt und ruhig. Und ganz, ganz selten nutzen wir die Chance und gehen auf ein Konzert. Kino? Kommt eh kaum was gutes – und seit 4 Jahren mindestens haben sich die schlechten Kino-Zeiten immer mit den Großeltern-Wochenenden gedeckt.

Das sind so diese Momente, in denen das „Was wäre, wenn …“ Konstrukt zuschlägt. Was wäre, wenn wir keine Eltern wären?

Was wären wir, wenn wir keine Eltern wären?

Workaholics. Aber das sind wir eh. Ergänzt durch „Lass mich das eben noch schnell fertig machen“ und „Du, ich arbeite das jetzt lieber in der Nacht fertig, geh ruhig schon mal vor.“ So sind wir, das ist unser Typus. Wir lernen eh andauernd dazu, probieren neues aus. Ohne Kinder wäre das noch wesentlich ausgeprägter, als eh schon. Wir würden also MEHR statt weniger arbeiten.

Kneipensitzer statt Discobesucher. Aber das sind wir eh. Also, wenn sich mal die Gelegenheit ergibt.

„Lass uns lieber daheim bleiben und den Film per Streaming-Dienst kaufen.“ Aber das machen wir eh. Wer auf dem Dorf wohnt, überlegt sich ganz genau, ob sich 30min Autofahrt plus Parken plus Gehminuten wirklich rentieren – für schlechtes Kino-Popcorn und nervige Mit-Kinobesucher. Ok, manchmal lohnt es sich. Meistens.. nicht.

Sind wir deswegen irgendwie langweilig oder ungewöhnlich? Nö, ich denke nicht. Sondern: Wir sind Erwachsene. Wir haben Jobs, Kredite, Steuerlasten. Wir fahren Auto und ernähren uns normal bis gesund.

Manche Eltern beklagen in Foren und den diversen Gruppen die verloren gegangene Spontanität. Diese, von Mit-Eltern manchmal so beklagte vergangene Spontanität haben wir nicht mal ausgenutzt, als wir mitten in der Stadt wohnten, ohne Kinder, nur mit Katze (statt Hund) und bei ausreichend Einkommen für ein nettes Leben. Das ist bei anderen Eltern anders – manchmal ist der Umbruch von Kinderlos auf Kinderhaber ein recht heftiger.

Und was macht das mit Dir?

Wenn dich der „Was wäre, wenn…“ Wahn befällt: Würde es wirklich etwas ändern? Hättest Du wirklich ein anderes Leben? Und wenn, wärst Du dann noch Du?

Und jetzt zum Kern des Textes: Bei jedem Gedankenspiel über „Was wäre, wenn…“ spielt sich ja im Grunde genommen folgendes ab:

  1. Stimmt mich die derzeitige Situation unglücklich?
  2. Wäre es anders, wenn ich an der derzeitigen Situation etwas ändern könnte?
  3. Wäre ich dann noch dieselbe Person wie jetzt?
  4. Was kann ich machen, um die derzeitige Situation anzunehmen, wie sie ist

Ich denke, sobald das „Was wäre, wenn …“ die Gedanken beherrscht, stimmt die Gesamtsituation nicht. Und dann wird es Zeit, etwas daran zu ändern.

Lässt sich übrigens nicht nur auf „Was wäre, wenn wir keine Eltern wären“ anwenden, sondern auch auf

  • Was wäre, wenn ich (Vollzeit, Teilzeit, freiberuflich, angestellt) arbeiten gehen würde?
  • Was wäre, wenn ich NICHT (Vollzeit, Teilzeit, freiberuflich, angestellt) arbeiten gehen würde?
  • Was wäre, wenn mein(e) PartnerIn (Vollzeit, Teilzeit, freiberuflich, angestellt) arbeiten gehen würde?
  •  …..

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