Alle Artikel in: Begriffe

Unwort: Work-Life-Balance

Work-Life-Balance – dieser Begriff wird gerne im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit benutzt. Denn es gilt doch, die verschiedenen Lebensbereiche auszubalancieren. Familie, Arbeit, Freizeit – all dies soll unter einen Hut gebracht werden und dabei soll ein Gleichgewicht entstehen. Warum soll dieser Begriff dann ein Unwort sein? Work-Life-Balance ist ein irreführender Begriff. Denn er bedeutet, dass man Arbeit und Leben in Balance bringen solle. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, liebe Leser_innen. Aber für mich ist meine Arbeit ein Teil meines Lebens und nicht getrennt von ihm. Genauso wie Familie und Freizeit. Alle diese Teile meines Lebens möchte ich ausbalancieren. Der Begriff Work-Life-Balance konstruiert aber einen Gegensatz von Arbeit und Leben. Denn wenn die Arbeit Teil des Lebens ist, dann kann man sie nicht mit dem Leben ausbalancieren. Was dann? Vereinbarkeit/Life-Balance! Vereinbarkeit finde ich da passender. Denn das trifft es besser. Ich vereinbare mehrere Bereiche miteinander. Arbeit, Familie, Freizeit zum Beispiel. Der Begriff wertet nicht einen Bereich stärker als den anderen, er bietet Spielraum für eine individuelle Aufteilung der Bereiche. Life-Balance wäre vielleicht auch …

Qualitätszeit

Qualitätszeit ist ein Stichwort, was beim Thema Vereinbarkeit mit schöner Regelmäßigkeit fällt. Gemeint ist, dass man die Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt, optimal nutzt. Dies stelle sicher, dass die Beziehung zu den Kindern unter der Berufstätigkeit nicht leide. Interessanterweise gibt es diesen Begriff erst, seit mehr Frauen früher wieder in ihren Beruf einsteigen. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass früher davon die Rede war, dass Väter Qualitätszeit mit ihren Kindern verbringen. Was ist dran an der Qualitätszeit? Es ist sicher oft so, dass man als außerhäusig berufstätiger Elternteil die Zeit, die man mit seinen Kindern hat, besonders zu nutzen versucht. Mir geht es zumindest so. Ich nehme mir bewusst Zeit für die Anliegen der Kinder, gerade weil wir lange Zeit des Tages an unterschiedlichen Orten verbringen. Und ich glaube auch, dass diese Zeit eine besondere Qualität hat, weil sie eben bewusst genossen wird. Andererseits gibt es durchaus Dinge, die Quantitätszeit erfordern, nämlich einfach Ruhe und Zeit. Kinder erzählen zum Beispiel selten auf Kommando von der Schule oder dem Kindergarten, nur weil …

Karrierekampf

Unwort: Karriere

Ich kann es nicht mehr hören. KARRIERE. Umgangssprachlich gemeint: Der steile Aufstieg nach oben. Der Wunsch, möglichst schnell viel zu verdienen. Oft verbunden mit langen Arbeitszeiten, hohen Ansprüchen. Im Managementbereich auch gern zusammen mit häufigen Reisen und Abwesenheiten von daheim.  Und damit: Für Frauen oft noch unerreichbar. Weshalb sich im Rundumschlag der verschiedenen Lebenswege dann auch wiederholt die Ermahnung einschleicht, Karrierefrauen würden nur an sich denken. Unterschwellig landet ein „Wozu hat die denn dann Kinder bekommen?“ mit. Das ist verletzend – für alle Beteiligten. Die Tätigkeit als Führungskraft wird oft als „Karriere“ betitelt – und es wird nicht unterschieden ob mann/frau hier die umgangssprachlichen Anforderungen erfüllt – oder pünktlich um 17:00 Uhr die Kinder abholt und nur zur Weihnachtsfeier den Unternehmenssitz verlässt. Wenn wir rein von der wörtlichen Bedeutung herangehen, dann ist Karriere schlicht die berufliche Laufbahn eines Menschen. Nichts weiter. Ganz einfach. Etwas, was jeder von uns anstrebt. Arbeiten, meine ich. Seinen Lebensweg beschreiten, meine ich. Ohne den schalen Beigeschmack der negativen Belegung, Karriere wäre etwas, was weder mit Kindern noch mit Freizeit vereinbar wäre. …

Unwort: Müssen

„Ich muss mal eben …“ „Warte, ich muss erst noch … “ „Komm, wir müssen …“ „Nicht jetzt! Papa muss erst …“ „Ich komme gleich. Ich muss die Präsentation noch …“ Kennt ihr diese Satzkonstellationen aus dem Familien- und Berufsalltag? Gerade wenn der Alltag strikt getaktet ist und alle auf gute Zusammenarbeit angewiesen sind? Dann tauchen genau diese Sätze auf. Das „müssen“ ist ganz vorn dabei. Jedenfalls in unserer Familie. Wir müssen pünktlich sein, rechtzeitig zur Arbeit, zur Oma, zur Kita, zur Freundin kommen. Wir müssen mal eben zu Ende telefonieren, nur noch die Nachricht schreiben, den Kundenauftrag beenden, abwaschen, das Essen in den Ofen schieben. Wie kommt das müssen-Müssen bei Kindern an?  In einer von mir besuchten Fortbildung ging es ursprünglich um das Thema Achtsamkeit. Darum, Kindern ihre Wertigkeit und Bedeutung zu zeigen. Auch darum, sich selbst zu beobachten mit seinen Formulierungen. Das „müssen“ in Zusammenhang mit Arbeit, Haushalt und Kommunikation, was zeigt das also unseren Kindern? Fremdbestimmung. Zwang. Mühseligkeit. Wollen wir unseren Kindern das vermitteln? Ich nicht. Denn meine Arbeit macht mir Spaß. …